Bilanz nach 8 Monaten IPad-Klasse

In unserer Schule stellte sich die Frage, ob es uns im nächsten Schuljahr wieder gelingt, soviel städtische oder Sponsorenunterstützung auf die Beine zu stellen, dass ein angemessener Anteil einkommensschwacher Schüler in die nächste IPad-Klasse aufgenommen werden kann. Lohnt sich überhaupt der Aufwand, die Arbeit, das Engagement. Wer kann das besser beurteilen als die Schüler, die seit 8 Monaten in der IPad-Klasse Unterricht haben. Also habe ich sie Pro und Contra Argumente sammeln lassen. Natürlich gab es den Hinweis, dass man schneller und in jedem Fach Präsentationen erstellen kann oder dass man individueller Lernen kann, z.B. mit dem Vokabeltrainer, was dann auch mehr Spaß macht. Aber ich nenne hier die Beiträge, mit denen ich weniger gerechnet hatte:

  • Man lernt für das Berufsleben, wie man das Ipad professionell und nicht nur zum Spielen einsetzt.
  • Der Unterricht ist häufig besser und motivierender als sonst, es gibt weniger Lehrerarbeit an der Tafel, mehr Gruppenarbeitsergebnisse per Beamer.
  • Aufgaben und Informationen werden Online zur Verfügung gestellt, wenn man fehlt, bekommt man am selben Tag alle Informationen und Arbeitsergebnisse zum Nacharbeiten in die box.
  • Bessere, häufigere, direktere Kommunikation mit Lehrern und Mitschülern, die Lehrer helfen mehr / geben individuelles Feedback durch Emailkontakt und individuelles Lernen im Unterricht.
  • Man hat immer alle Unterlagen dabei, kann sie nicht verlieren und gut sortieren, aber das Sortieren der vielen Arbeitsmaterialien in verschiedenen Apps und Fächern ist nicht einfach und muss erst gelernt werden.
  • Man lernt vernünftig mit den Dingen umzugehen, z.B. eben nicht im Unterricht mit dem Ipad zu spielen, weil besonders am Anfang die Ablenkung durch Spiele, facebook u.ä. schon groß war.
  • Manche Lehrer wissen nicht genau, wie sie das Ipad in ihrem Unterricht verwenden können – auch das ein Hinweis, mit dem ich nach acht Monaten nicht gerechnet hatte.
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„In der IPad-Klasse merkt gar keiner, dass ich sehbehindert bin.“

Seit Sommer unterrichte ich in der IPad-Klasse, u.a. eine Schülerin mit Albinismus und 10%-gier Sehfähigkeit.
Vor einigen Tagen hatten wir eine kleine Fachtagung zum Thema „Inklusion“ an unserer Schule, bei der die Schülerin mit mir in einem Workshop vorgestellt hat, wie sich ihr Lernen in der IPad-Klasse verändert hat:
Wie sah Lernen und Schule bisher aus? Ein Lesestein, mit dem immer nur ein sehr kleiner Ausschnitt einer Textseite erfasst werden kann, die vom Lehrer vorher hoffentlich auf A3 kopiert worden ist und ein Monokular, mit dem man „über die Tafel irrt“.
Und wie sieht jetzt die Arbeit mit Arbeitsblättern aus? Sie werden vom Lehrer in Box eingestellt, jeder Schüler lädt sie sich herunter und kann sie sich auf dem IPad so angucken, wie es für ihn passt. Der Lesestein hat außer in Klassenarbeiten ausgedient.
Wie sieht die Arbeit mit Tafel / Präsentationen jetzt aus? Wenn es mir immer wieder passiert, dass ich sagen muss: „Jetzt habe ich wieder so klein auf die Tafel geschrieben …“ macht sich die Schülerin ein Foto von dem Tafelbild, das dann vergrößert werden kann. (Ohne IPad ging es nur mit Vorab-Kopie oder Abschreiben vom Nebenmann) Ich muss nicht immer dran denken!
Das Gleiche gilt für Präsentationen oder auch kleingeschriebene Lehrerkommentare.

Die Fotos können dann in Ruhe (evtl. erst zu Hause) angeguckt werden, so dass Struktur/Zusammenhang auch großer Tafelbilder nachvollzogen werden kann.
Auch kopierte Arbeitsblätter können schnell als pdf geschickt werden oder fotografiert und vergrößert werden.
Hausaufgaben können per Email vorab zugeschickt werden, um ein individuelles Feedback zu bekommen, ohne als Streber dazustehen.

Ergebnisse einer Gruppenarbeit sollen von der Schülerin präsentiert werden. Die Gruppe hat ihr Ergebnis in einer kleinen Keynote-Präsentation zusammengefasst. Während für die Klasse die Präsentation vom IPad einer Mitschüler per Apple-TV zu sehen ist, kann sich die sehbehinderte Schülerin auf ihrem IPad die Präsentation so groß ziehen, dass sie sie gut lesen kann.

Auf dir Frage einer Teilnehmerin des Workshops, was sich für sie verändert hat, seid sie in der IPad-Klasse ist, antwortete die Schülerin: „In der IPad-Klasse merkt zunächst gar keiner, dass ich sehbehindert bin.“

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Anloge Leserbriefe nach Arbeit mit der digitalen KStA-App

Schüler der Höheren Handelsschule lesen zumeist keine Zeitung, Leserbriefe schreiben sie bestimmt nicht, wahrscheinlich liegt das Durchschnittsalter von Leserbriefschreibern insgesamt eher bei 50 als bei 30, geschweige denn 17 oder 20.
Aber die Arbeit mit Sach- und Meinungstexten gehört zum Lehrplan – zumeist wird dann mit Kopien von mehr oder weniger alten, vom Lehrer gesammelten Zeitungsartikeln gearbeitet. In unserer iPad-Klasse bot sich die Arbeit mit den online-Ausgaben der Zeitungen oder den entsprechenden E-Papern an. Der Kölner Stadtanzeiger stellte uns für vier Wochen einen kostenlosen Zugang zur App zur Verfügung. Wir hatten also jeden Tag die aktuelle Zeitung zur Verfügung.
Im Unterricht ging darum den Aufbau der Zeitung kennenzulernen, einfach mal zu lesen, um interessante Artikel zu finden, Textsorten zu unterscheiden usw. aber schließlich auch darum Inhaltsangaben zu schreiben, ein sonst eher langweiliges Thema.
Das Angebot die Inhaltsangaben zu selbstgewählten, ganz aktuellen Artikeln zu schreiben, motivierte schon mal mehr als üblich.
Die Unterscheidung von Sach- und Meinungstexten sollte auch in der Textproduktion erarbeitet werden, d.h. auch Leserbriefe sollten zu wiederum selbstgewählten Zeitungsartikeln geschrieben werden.
Die Hausaufgabenquote und die Motivation war gut, nicht alle Ergebnisse sofort gelungen. Aber alle hatten ein Thema gefunden, zu dem Sie eine Meinung hatten und formulieren konnten. Sechs Leserbriefe waren bereits im ersten Anlauf so gelungen, dass ich den Schülern geraten habe, sie doch wirklich als Leserbrief an den Stadtanzeiger zu mailen.
Zwei Schüler haben dies dann tatsächlich getan und beide Leserbriefe wurden veröffentlicht – zum großen Erstaunen der Schüler, die gar nicht damit gerechnet hatten. Sie waren stolz ihr Ergebnis und ihren Namen öffentlich in der Druckversion bzw. im e-Paper zu sehen und sogar von Bekannten darauf angesprochen zu werden.
Es war aber auch eine interessante Erfahrung, dass es gar nicht so schwer ist auf diesem Weg seine Meinung zu veröffentlichen! Ich hoffe, eine Erfahrung, die sie evtl. bei ganz anderer Gelegenheit nutzen werden, wenn sie irgendwann einmal ein Anliegen haben, das Öffentlichkeit verdient!

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IPad-Klasse in der Höheren Handelsschule

Seit Anfang des Schuljahres haben wir eine IPad-Klassealle Schüler haben ihr eigenes IPad, entweder gekauft oder über den Verein Neue Medien für Kölner Schulen e.V. gemietet, die HartzIV Empfänger zum halben Preis.
Und wie gestaltet sich der Unterricht bislang? Die Schüler sind motiviert und ernsthaft bei der Sache. Ich brauche nichts mehr zu kopieren, sondern nur am Abend vorher eine Sammel-Email mit angehängtem Arbeitsblatt zu versenden. Via Apple-TV gestaltet sich die Besprechung von Arbeitsergebnissen unkompliziert: Alle Schüler können sehen, wie einer die Aufgabe gelöst hat und so intensivere und sorgfältigere Rückmeldungen geben.

Hausaufgaben werden an den Lehrer per Mail geschickt, aber bereits vorher erhalte ich eine Reihe von Mails mit Rückfragen. Was lerne ich aus diesen Mails der Schüler? Die Hausaufgaben noch eindeutiger formulieren und vor allem „den Erwartungshorizont“ genau benennen – damit ich nicht am Nachmittag so viele Mails zu beantworten habe. Andererseits entsteht so von vorn herein eine andere Beziehung zwischen mir und den Schülern – mehr auf Augenhöhe, mehr individuelle Beratung, mehr gemeinsamer Arbeitsprozess.

Und wie sieht es mit der Ablenkung durch das IPad aus? Wird nicht heimlich gespielt oder per Internet gechattet? Das lässt sich sogar leichter unterbinden als im normalen Unterricht die Ablenkung durch das Smartphone. Das IPad ist so groß, dass es auf dem Tisch ist – zugeklappt oder für die Arbeit geöffnet. Wenn die Arbeit interessant und vom Zeitumfang her knapp bemessen ist, ist die Versuchung, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, eher geringer, weil die Arbeit mit dem IPad – zumindest bislang – motivierend, visuell und neu ist.

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Das IPad als Schulheft

Hier mal ein Beispiel dafür, dass das IPad das klassische Schulheft ganz ersetzen kann. Ich habe einen Schüler, der mit den ganzen Arbeitsblättern und Mitschriften ordnungstechnisch nicht klar kam. Er wollte auch nicht immer einen ganzen Ordner mit sich herumtragen. Da meine Kollegin und ich auch hauptsächlich ein IPad im Unterricht einsetzen, erkundigte er sich bei uns.

Wir haben dann gemeinsam besprochen, wie er im Unterricht mit dem IPad schnell mitschreiben kann, welche Möglichkeiten der Speicherung bestehen, wie er seine Arbeitsblätter einscannen kann, welche Apps für Präsentationen in Frage kommen usw.

Wir sind dann zu folgendem Apps gekommen:

  • Notability (siehe Foto) zum Mitschreiben und bearbeiten von Arbeitsblättern. Diese App verwende ich auch als Tafelersatz (1,79 €).
  • HaikuDeck  als kostenlose Präsentationssoftware (kostenlos)
  • Genius Scan zum einscannen von Arbeitsblättern (kostenlos in der Lite Version)

Sicher kann man mit weiteren Apps noch mehr erreichen, aber für den normalen Unterricht reicht dies erst mal aus. Da wir in unserem Klassenraum Apple TV und Beamer stationär zur Verfügung haben, ist er auch immer in der Lage, seine Ergebnisse zu präsentieren.

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Der Schüler jedenfalls hat seine Unterlagen jetzt jederzeit geordnet und im Griff. Zudem verwendet er gar kein Papier mehr, selbst die Arbeitsblätter braucht man für ihn nicht mehr zu kopieren. Entweder bekommt er sie per Mail, oder er scannt das Blatt von seinem Tischnachbarn. Zudem trägt er in seiner Tasche jetzt nur noch das IPad mit sich herum, keinen schweren Ordner. Tolle Sache 🙂

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Kann das Internet den Unterricht ersetzen?

Heute ging es um die Reflexion, was die Schüler in diesem Halbjahr bisher gelernt haben zur Wiederholung, Vertiefung, Selbstüberprüfung und Vorbereitung auf die nächste Klausur. Zur Vorbereitung sollten Sie zu Hause ein „Kann-Liste“ erstellen, in die nicht nur eingetragen werden sollte was sie können und in welchem Maße, sondern auch, wo man das, was evtl. noch nicht so richtig verstanden oder aktuell präsent ist, nachlesen kann. Irgend wann fiel auf, dass natürlich bei jeder Zielformulierung nicht nur Seitenangaben zum Buch oder bestimmte Arbeitsblätter, sondern immer auch das Internet als Informationsquelle angegeben werden konnte.
Das veranlasste mich, einmal nachzufragen, wozu denn überhaupt noch Unterricht erforderlich ist, ob man nicht nur anhand des Internets lernen könnte. Ich fand interessant, wie schnell und durchdacht diese Idee von ihnen zurück gewiesen wurde:

Nein, das Internet ist kein Ersatz für Unterricht,
weil man nicht weiß, was wichtig und was richtig ist,
weil das soziale Miteinander vernachlässigt wird und
keine kommunikativen Kompetenzen entwickelt werden (ja, so können die Schüler das formulieren, wenn vorher im Bewerbungsprojekt die Ansprüche der Unternehmen besprochen wurden)
und man allein nicht genügend Selbstdisziplin aufbringt.

Wichtige Erkenntnisse, die vielleicht ein bisschen die Motivation erhöhen zum Unterricht zu kommen, dort mitzuarbeiten und evtl. auch weniger aktive Besprechungsphasen durchzustehen. 🙂

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Neue Kommunikationswege

Wie ändern Smartphones Kommunikation und Verhalten von Schülern?

Ein beliebiger Wochentag 9:30: Im Treppenhaus haben wir seit einiger Zeit fest montierte Stuhlreihen, jeweils zweimal vier Stück. Eigentlich viel zu wenig, wenn wir wollen, dass ich die Schüler im Schulgebäude wohlfühlen und nicht mehr die „Anstalt“ nur zum Lernen betreten und nach dem Unterricht sofort auf den Hof gescheucht werden. Aber die Atmosphäre ist so schon eine andere und wenn man die Breite Fensterbank hinzunimmt, steigt die Zahl der Sitzplätze noch einmal deutlich.
Dass die Sitzplätze alle neben einander und nicht gegenüber oder über Eck sind, stört die Schüler nicht. sie sitzen aufgereiht neben einander, jede/r das Smartphone vor sich und lesend, schreibend, hörend beschäftigt. Ab und an wird die „Entdeckung“ auch mit den Umsitzenden geteilt. Die Schüler werden zu lauter Einzelkämpfern, direkte Kommunikation, nette Gespräche mit den Mitschülern sind anscheinend deutlich weniger interessant als der Austausch in der digitalen Welt – könnte man jetzt meinen und die Entwicklung beklagen.

Samstag Abend: Mein Handy klingelt mehrmals kurz und leise auf dem Küchentisch. Über die WhatsApp-Gruppe meiner Klasse erhalte ich zwei fotografierte Hausaufgaben von Schülern, deren „PC es grad nicht tut“ oder die „irgendwie nicht in Moodle reinkommen“. Aber das Handy tut es natürlich immer ! Zwei Stunden später das Handy klingelt wieder mehrmals kurz und leise: Ein Schüler hat sich beim Fußball spielen verletzt, er ist im Krankenhaus und muss wegen einer Gehirnerschütterung für ein paar Tage dort bleiben. Ich weiß schon mal Bescheid, dass er am Montag nicht da ist und wünsche gute Besserung. Etliche Mitschüler haben auch schon ihr Mitleid bekundet, ihm alles Gute gewünscht und von eigenen Verletzungen berichten. Wieder klingelt es: Ein Schüler hat sich mit der Gruppe vertan und die Klassengruppe mit Lehrer mit der ohne Lehrer verwechselt: Jetzt weiß ich, welche Discos im Augenblick angesagt sind und wie es dort ausschaut, wer noch unbedingt dazukommen sollte und wer schon da ist. Ob sie doch im echten Leben persönlich mit einander tanzen und sich unterhalten können?

Sonntag Nachmittag:

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Ich weiß, dass zumindest einige Schüler die Stunde vor der nächsten Klausur mit dem Arbeitsblatt „Was kann ich (und was noch nicht)?“ vorbereiten. Das ist ja mal schön!!
Ich erfahre auch, dass für den einen das Fach Advanced English kein Problem ist, vielleicht spreche ich ihn mal an, dass er drei anderen in unserem Nachmittagsangebot Nachhilfe gibt? Vielleicht ist das aber auch gar nicht nötig, die Zusammenarbeit klappt doch auch ohne mich und eben nicht zwischen besten Freunden, sondern in der ganzen Gruppe!

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